14 Die Mitte des Horoskops

Persönliches: Ich habe hin und her überlegt, wie ich das Ziel der Transformatorischen Astrologie bestens in Worte fassen kann. 

Das Ziel, das jeder und jede persönlich mit der Astrologie verfolgt, ist meinerseits selbstverständlich jederzeit und mit jedem Inhalt akzeptabel. Ob es um die eigene, astrologisch abgesicherte Stellungnahme zu politischen Ereignissen geht, ob es um eine Abschätzung geht, wann der, die, das Geliebte an den gemeinsamen Herd zurückkommt, oder ob die Berechnung der nächsten 6 Richtigen im Lotto ist. Jedes Ziel hat seinen Sinn oder Unsinn im Leben eines Menschen. 
Auch wenn der Mensch mit Hilfe der Transformatorischen Astrologie an diese (und alle anderen) ihn beschäftigenden Themen herangeht, wird er die ihm angemessene (passende) Antwort erhalten. Das ist immer so, denn die Antwort liegt immer in ihm selbst! (Das heißt nicht, dass er die Antwort im Speziellen, wie in der Tragweite versteht.)
Nur Mut mit den persönlichen Themen und der Transformatorischen Astrologie, denn „probieren geht über studieren“, wie man so treffend sagt.
Probieren bringt Erfahrung. Und nebenher gesagt: Die Transformatorische Astrologie ist eine Erfahrungsastrologie. 
Ich will nicht weiter um die Zieldefinition (wie ich sie formulieren kann) herumreden und davon ablenken. Denn mit dem Ziel, das der Transformatorischen Astrologie immanent ist, haben die oben genannten Themen nur am Rande etwas zu tun. Das, was ich formuliere, besteht nicht aus philosophischen oder religiösen oder bedürfnisorientierten Anliegen. Es ist handfest und für jeden und jede nachvollziehbar, und das sowohl geistig (logisch > verstehend) als auch praktisch (erlebbar > körperlich). 
Mein Wunsch, als ich Astrologie kennenlernte und tief in sie einstieg, war, das Ziel in der Astrologie und möglichst auch im Geburtshoroskop selbst nachvollziehbar und sichtbar zu machen.
Nun gut, es ist mir gelungen.
Das Ziel ist die Mitte, besser noch gesagt: die leere Mitte des Geburtshoroskops.
Haben Sie sich das auch schon gedacht?
Das würde mich nicht wundern, denn es ist logisch, emotional nachvollziehbar und astrologisch gerechtfertigt.

Die Mitte im Geburtshoroskop symbolisiert das Eigentliche des Menschen.

Lassen Sie sich auf den Weg zur Mitte, zur leeren Mitte ein. Es ist meist kein kurzer Weg, es ist meist kein einfacher Weg, es ist Ihr Weg, der einmalig ist, wie Sie selbst.
Die Transformatorische Astrologie kann Ihre Begleitung, Beraterin und, wie man so schön in der allgemeinen Astrologie sagt, auch Ihre wegezeigende Landkarte für persönliche Ziele, wie auch für das eine absolut gültige, übergeordnete und tief innen liegende Ziel: die Mitte sein.
Und nun zum Thema:


Das Ziel der Transformatorischen Astrologie kennenlernen

Ich habe zum Thema „Mitte“ in der Astrologie einige Standpunkte und Deutungen zusammengetragen:

Symbolisch-philosophische Deutung

Die Mitte ist das Selbst jenseits der Persönlichkeit.
Sie ist nicht „leer“ im Sinne von „nichts“, sondern im Sinne von „frei von Form“.
Während die Planeten die vielfältigen Ausdrucksformen des Lebens darstellen, symbolisiert die leere Mitte das Bewusstsein, das all dies erfährt – also das göttliche Zentrum im Menschen, das unberührt bleibt, so kann man sagen.

Psychologisch-astrologische Sicht

Im Horoskop repräsentieren die Planeten die Funktionen der Psyche, die um ein inneres Zentrum kreisen.
Die leere Mitte wird hier als das Ich-Zentrum oder Selbstgefühl gesehen.
Wenn ein Mensch in seinem Leben stark „außenorientiert“ ist (auf Planeten, Aspekte, Lebensbereiche), verliert er leicht den Kontakt zu dieser inneren Mitte, d h. zu sich selbst.
Die Arbeit mit dem Horoskop kann dann helfen, diese Mitte wiederzufinden – das ist ein Prozess der Integration und Selbstwerdung.

Mystisch-esoterische Betrachtung

In manchen hermetischen Schulen wird die Mitte als der „göttliche Funke“ oder Monade bezeichnet – der Ursprung, aus dem das individuelle Bewusstsein in die Manifestation tritt.
Die Leere ist hier kein Mangel, sondern das Potenzial aller Formen. Aus dieser Leere entsteht alles, was nicht diese Leere ist.
Manche Lehren gehe auch davon aus, dass die Leere aus der Leere selbst entsteht. 
Sie entspricht dem „Punkt im Kreis“ – Teil des Symbols für die Sonne, das Bewusstsein und den göttlichen Ursprung, wie manche astrologischen Schulen sagen.

Man kann die Leere der Mitte des Geburtshoroskops auch analog zu diesem Mittelpunt des astrologischen Sonnensymbols sehen. (Hinweis: Die Sonnenenergie ist ein wichtiger Faktor in der Transformatorischen Astrologie.)

Die ZENsichtweise:

Die Mitte des Astrogramm ist wie das Auge, das sich selbst nicht sehen kann.


Da wir (meine Frau und ich) auch Reinkarnationsarbeit /Rückführungen anbieten, habe ich Astrologie und Reinkarnation in Bezug auf das Thema Mitte thematisiert:

Reinkarnationsastrologie

Hier wird das Geburtshoroskop als Abdruck der Seele gesehen – ein Spiegel der Erfahrungen, die die Seele in früheren Leben gesammelt hat und in diesem Leben weiterentwickeln möchte.

Die leere Mitte symbolisiert in diesem Zusammenhang:

  • Das ewige Bewusstsein (die Bewusstheit), das jenseits der Verkörperung existiert.
  • Der Punkt, aus dem jede Inkarnation hervorgeht – wie der Ursprung eines Kreises.
  • Sie ist das, was „unverkörpert“ bleibt, während die Planeten (als Lebenskräfte) die Materie und die Erfahrung in der Materie gestalten.

Man könnte sagen:
Die Mitte des Geburtshoroskops symbolisiert das, was der Mensch ist, bevor er jemand wird.
In der Reinkarnationsarbeit erinnert sie den Menschen daran, dass er mehr ist als seine karmischen / inkarnationsbedingten Themen.
Die Planeten und die Aspekte zeigen das Drama des Geschehens – die Mitte aber zeigt das Sein jenseits des Dramas und jeder Bewegung.

Praktisch bedeutet das:
Wenn Sie sich in Planetenthemen verstricken, verlieren Sie den Kontakt zum unsagbaren, unbedingten Teil des Menschseins.

Die psychologisch-spirituellen Astrologie (z. B. Dane Rudhyar, Arroyo)

Diese Richtung versteht das Horoskop als Mandala der Individuation – ein Symbol für den inneren Entwicklungsweg des Menschen.
Die Mitte ist hier das Selbst im jungianischen Sinne: Das innere Zentrum, das die verschiedenen Anteile der Persönlichkeit integriert.
Sie steht für das Bewusstsein, das alle Gegensätze umschließt – Sonne und Mond, Licht und Schatten, Männlich und Weiblich, Vergangenheit und Zukunft.
Die „Leere“ der Mitte ist nicht negativ sondern der Raum, in dem Bewusstsein entstehen kann. Rudhyar schreibt sinngemäß: „Das Zentrum des Horoskops ist der unbewegte Punkt, um den sich das Rad des Lebens dreht. Es ist das symbolische Herz des Wesens – das, was nicht gedeutet, sondern erfahren werden muss.“
Aus dieser Sicht ist die Arbeit mit der leeren Mitte eine Form der Bewusstseinszentrierung.
Der Mensch lernt, nicht in seinen Aspekten oder Konflikten zu „leben“, sondern aus seinem inneren Zentrum heraus zu handeln.

Praktische Bedeutung der Mitte für die Deutung

Die wenigsten Astrologen beziehen die Mitte in ihre Deutungen ein. Sie kann trotzdem bewusst einbezogen werden:

  • In der astrologischen Beratung: Sie erinnert daran, dass die Horoskopfaktoren nicht das Selbst sind, sondern Ausdrucksebenen desselben.
  • In der Reinkarnationsastrologie: Die Mitte steht für den Teil des Bewusstseins, der über Inkarnationen hinweg konstant bleibt.

Ich kann nicht dazu raten, die Mitte, wie mit den obigen Worten versucht, verstehen zu wollen. Die Mitte ist nicht zu verstehen und widersteht faktisch, auch wenn es hier und da anders erscheinen mag, jedem Versuch sie in Worte zu fassen. 

Die Mitte in der Transformatorischen Astrologie

Die Mitte des Geburtshoroskops steht jenseits der einzelnen Häuser, Zeichen und Planeten. Sie ist der Punkt, um den sich alles dreht, der aber selbst unbewegt bleibt. Sie entspricht dem innersten Selbst, der Quelle des Bewusstseins, aus der die verschiedenen Persönlichkeitsanteile – dargestellt durch die Planeten – hervorgehen und zu der sie letztlich wieder zurückfinden.
Die Mitte nennen wir in einem Arbeitsbegriff auch den Beobachter. Ich nenne ihn so, weil er keine Kriterien aufweist und sich selbst nicht sehen kann. Er / das Bewusstsein / der Beobachter erkennt sich durch die Reflektion in den Planeten, Zeichen und Symbolen.

In der Transformatorischen Astrologie, die die Bewusstwerdung / Transformation als Weg betont und als Ziel verfolgt, wird die Mitte als das unveränderliche Zentrum der Identität gesehen, das nichts mit dem Ego zu tun hat, sondern die Essenz des Seins ist. Solange der Mensch sich vor allem mit den Planetenenergien identifiziert – also mit seinen Mustern, Bedürfnissen und Reaktionen – bleibt die Mitte unbewusst. Erst durch innere Arbeit, Selbsterkenntnis und Integration der astrologischen Prinzipien beginnt die Rückkehr in diesen Mittelpunkt: die Rückkehr zum Ursprung und zum Kern des Seins.

Das Erreichen der Mitte ist das Ziel der gesamten Arbeit der transformatorischen Astrologie.

Sie steht für die Stille, die Ganzheit und den Zustand jenseits der Polaritäten. Die transformatorische Astrologie definiert darin den Raum ohne Begrenzung, der an sich nicht definierbar ist.

Die Transformatorische Astrologie ist eine Erfahrungsastrologie, wie ich an anderer Stelle schon einmal sagte.
Wie kann man etwas in Erfahrung bringen, das sich nicht bewegt, was nicht zu bewegen ist und scheinbar aus einem Nichts, welches trotzdem kein Nichts ist, besteht, sich (wirklich oder vorgeblich) über die Materie erkennt, nicht wirklich zu beschreiben ist, keine Bedingungen stellt und auch keine Bedingungen erfüllt. 

Es ist sehr einfach, und zugleich ungeheuerlich schwierig. (Das passt natürlich zu den oben genannten Kriterien, die zugleich keine Kriterien sein sollen und sein wollen.)
Es gibt dafür eine Meditation.

Eine einfache Anleitung, die konsequent zur Erfahrung der Mitte führt

Anleitung

  1. Visualisieren Sie alle Energien (auch die der Mitte) Ihres Astrogramms vor sich.
    1.  Identifizieren Sie sich vollständig mit all diesen Energien.
    1. Sagen Sie zu allem, was Sie erleben und was nicht ist innerlich:

Weder – Noch

Erlebt man dieses Weder – Noch, ist man aus jeglicher Anbindung heraus. 
Man ist nur noch man selbst.


Die Beschreibung des Weges ist einfach, doch muss das Verwirklichen des Ziels nicht einfach sein. 
Wahrscheinlich braucht man die Transformation aller Anbindungen an das Etwas, genauso wie an das Nichtetwas, um die wirkliche Mitte zu erreichen.
 

Das ist das Auge des Betrachters, das sich nicht sehen kann. 
Das ist der Mensch selbst.

Es gilt auch folgende Regel: Je tiefer man in sich eindringt, desto höher wird das Bewusstsein.
Oder auch: Je höher ein Baum wächst, desto tiefer sind seine Wurzeln. 
Oder: Je kosmischer das Bewusstsein, desto realer und umfangreicher ist der Mensch.
Sei es, wie es sei. 
Punkt

Wer Fragen oder Bemerkungen zu diesem Text hat: wilfried.teschler@gmx.de

Wer keinen Fragen hat, kann diese, wie alle anderen Übungen der Transformatorischen Astrologie gerne praktizieren.

Wer eine Hilfestellung möchte: wilfried.teschler@gmx.de

Ein Gedanke zu „14 Die Mitte des Horoskops“

  1. Ich finde den Ansatz sehr klug, zu jedem Tierkreiszeichen praktische Übungen anzubieten! Gerade wer anfängt sich für Astrologie zu interessieren, will doch zuerst mehr über sein eigenes Zeichen erfahren – ein prima Einstieg, gerade für Neulinge. Aber auch für erfahrene Astrologie-Profis ist jede Menge neuer Input dabei. Faszinierend finde ich, dass die Transformatorische Astrologie (TA) sogar alle Tierkreiszeichen als eine Gesamtheit thematisiert und dann noch erfahrbar macht – das hebt sie deutlich von anderen Ansätzen ab.
    Spannend finde ich das Kapitel „Die Mitte des Horoskops“: Hier wird das Ziel der TA wirklich klar auf den Punkt gebracht. Man wird Schritt für Schritt in das Ziel hineingetragen und bekommt durch die Übungen sogar die Möglichkeit, das Ganze direkt zu erleben. Wer echtes Interesse daran hat, was Mensch in seiner Essenz ist oder was der Ursprung des Seins ist, wird hier definitiv sein „Aha-Erlebnis“ finden!
    Und was ich besonders mutig finde: Im Text wird die klassische „Deutungshoheit“ der Astrologie ausgehebelt – der Fokus liegt auf den eigenen Erfahrungen und dem Wesentlichen am Menschsein. Das macht die TA einzigartig und neigt sich so dem Menschen direkt zu.
    Kurz gesagt: Starke Texte mit radikalem Input!

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