Die Transformatorische Astrologie

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Eine neue Ära astrologischer Erkenntnis und ein Weg zu innerer Freiheit

von Wilfried Teschler

Wenn es nach mir geht, steht die Astrologie an einem Wendepunkt. Über Jahrhunderte hinweg war sie vor allem eine Kunst der Deutung: ein symbolisches System, das menschliche Anlagen, Lebensdynamiken und Zeitqualitäten beschreibbar machte. Diese Deutungstradition hat wertvolle Einsichten hervorgebracht. Doch sie trägt zugleich eine innere Grenze in sich. Denn solange astrologisches Wissen vor allem erklärt wird, bleibt der fragende Mensch auf den Wissenden angewiesen.

Mit der Transformatorischen Astrologie begründe und öffne ich einen neuen Raum astrologischen Arbeitens. Sie markiert eine neue Ära, in der Astrologie nicht mehr primär erklärte Perspektiven aufzeigt, sondern erfahren wird. Ihr zentrales Anliegen ist die innere Unabhängigkeit des Fragenden – die Befähigung, astrologische Energien selbst wahrzunehmen, zu durchdringen und letztlich zu transformieren.

Der fragende Mensch ist im Mittelpunkt – nicht das Horoskop und auch nicht das Wissen des Beraters

In der Transformatorischen Astrologie steht nicht das Geburtshoroskop als Objekt der Analyse im Zentrum, sondern der Mensch als bewusst Erfahrender. Das Horoskop wird als Hinweiskarte auf Inhalte und Energien in symbolischer Sprache verstanden, nicht als Bestimmung. Es zeigt Energien mit erlebbaren Inhalten an, keine Festlegungen.

Dem Fragenden wird das astrologische Wissen nicht übergestülpt. Vielmehr wird er eingeladen, sich den im Horoskop angezeigten Kräften selbst zuzuwenden. Unter achtsamer Anleitung lernt er, jene Energien in sich wahrzunehmen, die durch Planeten, Zeichen und Aspekte symbolisiert werden. Astrologie wird so vom intellektuellen Konstrukt zum inneren Erfahrungsraum.
Die Planeten, Sterne und Zeichen werden nicht als Himmelszeichen gesehen, sondern im Menschen selbst verortet.

Ein grundlegender Perspektivwechsel vollzieht sich: Nicht der Berater weiß „was im Horoskop steht“, sondern der Fragende erfährt, was in ihm lebendig ist.

Erfahrung statt Interpretation

Die Transformatorische Astrologie löst sich bewusst von der Vorstellung, dass Erkenntnis primär durch Interpretation von Symbolen und deren Ordnungen entsteht. Worte und Deutungen können Hinweise geben, doch sie ersetzen keine Erfahrung. Erst wenn der Mensch selbst spürt, was eine astrologische Energie in ihm bewirkt, wird sie wirklich bewusst. Was der Mensch braucht, um diese Erfahrung zu machen? Er braucht eine grundlegende Sensibilität für sich selbst.
Er erlebt seine Fakten, so subjektiv sie auch sind.

Der Ratsuchende lernt daher, seine sensible Aufmerksamkeit nach innen zu richten. In eigener, stiller Wahrnehmung oder geführter Hinwendung wird erfahrbar, wie sich eine bestimmte Qualität zeigt: als innere Bewegung, als emotionale Färbung, als körperliche Empfindung oder Zustand. Auf diese Weise offenbart sich die astrologische Symbolik nicht als Theorie, sondern als gelebte handfeste und relevante Realität..

Begegnung mit der Urenergie

Jedes astrologische Symbol verweist auf eine Urenergie – eine ursprüngliche Kraft des Seins, die jenseits persönlicher Geschichte existiert und sich dennoch im individuellen Menschen ausdrückt. Diese Urenergien (Archetypen) sind weder gut noch schlecht; sie sind schlicht anwesend und wirksam.

In der Transformatorischen Astrologie kann der Fragende diese Urenergien unmittelbar durch eine Übung in Erfahrung bringen. Er begegnet ihnen nicht als Konzept, sondern als innere Präsenz /Identifikation. Dabei zeigt sich oft, dass das, was bislang als „Eigenschaft“ oder „Charakterzug“ verstanden wurde, in Wahrheit eine lebendige Energie ist, mit der der Mensch in Beziehung steht.

Diese Erkenntnis ist von großer Tragweite: Der Mensch ist nicht diese Energie – er erlebt sie.
Der Mensch ist „hinter“ der Energie, wobei er zugleich auch noch in ihr ist und sich durch sie in der materiellen Welt äußert.

Der Körper als Resonanzraum

Ein wesentliches Merkmal der Transformatorischen Astrologie ist die bewusste Einbeziehung des körperlichen Erlebens (Empfindugen). Der Körper wird nicht als Nebenschauplatz betrachtet, sondern als feinfühliges Instrument der Wahrnehmung.

Der Fragende erfährt körperlich, in welchem Zustand sich seine Energie aktuell befindet. Enge, Druck, Schwere oder Unruhe können ebenso wahrgenommen werden wie Weite, Klarheit oder innere Sammlung. Diese Empfindungen sind keine Zufälle, sondern Auswirkungen der gegenwärtigen Beziehung der astrologisch benannten Kräften im Menschen.

In einfachen Übungen – etwa im stillen Spüren bestimmter Körperhaltungen oder im bewussten Verweilen bei einer Empfindung – lernt der Klient, diese Zustände nicht zu bewerten, sondern zu erkennen, zu erleben, auszuleben und/oder zu transformieren. Selbst eine wache und bewusste Wahrnehmung kann bereits eine erste Veränderung einleiten.

Transformation als innerer Prozess

Der entscheidende Schritt der Transformatorischen Astrologie liegt in der Möglichkeit der konkreten Wandlung. Erkenntnis und Wissen allein genügen nicht. Erst wenn sich der innere Zustand verändert, wird Freiheit erfahrbar. Eine körperliche Veränderung ist das Anzeichen einer psychisch – geistigen Veränderung.
Der Körper ist die Grundlage/ Basis jeder Änderung. (Diese Grundregel habe ich in einer Ausbildung nach Alfred Adler kennengelernt und sie im Lauf meiner Arbeit und meines Lebens immer wieder bestätigt gefunden. W. T.)

Der Übende erhält in der Transformatorischne Astrologie Werkzeuge an die Hand, mit denen er seine Beziehung zu einer Energie bewusst und zielgerichtet verändern kann. Dies geschieht nicht durch Willensanstrengung, sondern durch Präsenz, Intention, Loslassen und innere Klärung. In behutsamen Schritten wird erfahrbar, dass eine Energie zwar da ist, aber nicht zwangsläufig das Handeln oder Erleben in eine bestimmte Richtung bestimmen muss.
Sanft kann die Energie auch transformiert werden. So kann durch diesen Prozess in Sekunden oder Schritt für Schritt > der Persönlichkeit entsprechend < das Leben leichter, konkreter und direkter werden.

Transformation bedeutet hier nicht Verdrängung, sondern Durchdringung und schließlich bewusst erlebte Verfeinerung. Die Energie darf sein – und zugleich darf nach bewusster Transformation auch die Identifikation mit ihr enden.

Ziel: Freiheit von unbewusster Bindung

Das Ziel der Transformatorischen Astrologie ist vielschichtig. Auf individueller Ebene geht es um Selbstbestimmung: Der Mensch erkennt, dass er nicht Opfer seiner astrologischen und sonstigen Prägungen ist, sondern Gestalter seines inneren Erlebens und in der Folge auch seiner Lebensqualität und des Grades seiner Bewusstheit.

Auf einer tieferen Ebene zielt dieser Ansatz auf die Überwindung der unbewussten Anbindung an astrologisch benannte Energien. Wo keine Identifikation mehr besteht, verliert die Energie ihre bindende Macht. Sie wird erlebt, aber nicht mehr „gelebt werden müssen“.

Hier zeigt sich der spirituelle Kern der Transformatorischen Astrologie: Freiheit entsteht nicht durch Kontrolle, sondern durch zunehmende Bewusstwerdung und schließlich objektloser Bewusstheit.


Der Berater als Anleiter und Begleiter

Mit diesem Ansatz wandelt sich auch die Rolle des astrologisch Wissenden grundlegend. Der Berater tritt nicht mehr als Autorität auf, die Wissen verteilt, sondern als Anleiter eines Erfahrungsweges. Seine Aufgabe ist es, einen sicheren, klaren Raum zu schaffen, in dem der Klient den inneren Realitäten / Subjektivitäten begegnen kann.

Der astrologisch Wissende begleitet, erklärt nur so viel wie nötig und zieht sich dort zurück, wo eigene Erfahrung möglich und auch nötig wird. Ziel ist nicht Abhängigkeit, sondern Mündigkeit.
Der Grundsatz ist: Der Inhaber des Horoskops ist den Inhalten immer näher als der Berater/Begleiter.

Die Transformatorische Astrologie eröffnet eine neue Dimension astrologischer Arbeit. Sie verbindet die im Menschen aufzufindende kosmische Symbolik mit unmittelbarer Selbsterfahrung und führt den Menschen aus der Deutung in die lebendige Begegnung mit den vielen Ebenen und Inhalten seines Daseins, die im Astrogramm abgebildet ist.

In einer Zeit tiefgreifender Wandlungsprozesse bietet sie einen Weg, Astrologie nicht nur zu verstehen, sondern zu verwirklichen – als Weg der Erkenntnis, der Transformation und der inneren Freiheit.
Die Astrologie verwirklichen heißt: sich selbst verwirklichen.


Ein Blick auf die praktische Arbeit

Die Transformatorische Astrologie entfaltet ihre eigentliche Tiefe in der gelebten Praxis. Sie ist kein System, das man sich aneignet sondern ein Weg, den man betritt und mit Hilfe des Geburtshoroskops als Wegweiser geht. Die praktische Arbeit geschieht daher nicht in erster Linie durch Analyse oder Gespräch, sondern durch bewusstes Erfahren im gegenwärtigen Moment.

In der Begleitung von Fragenden eröffnet sich ein Raum der inneren Sammlung. Ausgehend vom individuellen Geburtshoroskop wird die Aufmerksamkeit behutsam auf jene Energien gelenkt, die aktuell wirksam sind. Dabei geht es nicht darum, etwas zu erreichen oder zu verändern, sondern zunächst darum, wahrzunehmen, zu realisieren und sich vollends damit zu identifizieren, was im Augenblick/ Jetzt ist. Diese bewusste Hinwendung geschieht in Stille, im Spüren, im Lauschen nach innen.

Der Ratsuchende wird eingeladen, die symbolisch angezeigten Kräfte in sich selbst zu entdecken: als innere Bewegung, als Empfindung im Körper, als emotionale oder geistige Qualität. In einfachen, klar geführten Übungen kann er lernen, bei diesen Erfahrungen zu verweilen, ohne sie zu deuten oder zu bewerten. So wird erfahrbar, wie sich eine Energie zeigt – und dass sie nicht festhält, sondern durchlässig wird, sobald sie bewusst wahrgenommen wird.

Die praktische Arbeit folgt keinem starren Ablauf. Sie richtet sich nach dem jeweiligen Menschen, seinem inneren Zustand und seiner Bereitschaft zur Erfahrung. Der Berater hält den Raum, gibt Orientierung und bleibt präsent, ohne den Prozess zu lenken. Transformation geschieht nicht durch Eingreifen, sondern durch Bewusstheit und das Entstehen von Klarheit.

Mit der Zeit kann sich im Übenden eine feine Unterscheidungsfähigkeit entwickeln: zwischen dem Erleben einer Energie und der Identifikation mit ihr. In diesem Raum der Unterscheidung öffnet sich Freiheit. Der Mensch erkennt, dass astrologische Kräfte nicht überwunden werden müssen, sondern ihre bindende Wirkung verlieren, sobald sie bewusst durchlebt werden.

So wird die praktische Arbeit der Transformatorischen Astrologie zu einem stillen, tiefgehenden Weg der Selbstbegegnung. Sie führt nicht weg vom Leben, sondern näher in dessen Mitte – dorthin, wo Erkenntnis nicht gedacht, sondern erfahren wird.

Ich wünsche aus vollem Herzen, dass mit dieser Art des Umgangs mit Astrologie eine neue, freiere, weitaus bewusstere Ära beginnt.
Wilfried Teschler