Astrologie gehört zu den ältesten Wissensformen der Menschheit und wurde über Jahrtausende von den gebildetsten Köpfen ihrer Zeit praktiziert – von babylonischen Priestern über griechische Philosophen bis zu Renaissance-Gelehrten. Dennoch ist kaum eine Disziplin in der westlichen Welt so konsequent bekämpft, diffamiert und „verteufelt“ worden. Diese Ablehnung folgte selten rationalen oder wissenschaftlichen Erwägungen, sondern entsprang meist handfesten Machtinteressen: theologischen Monopolansprüchen, politischer Kontrolle und später der Abgrenzung wissenschaftlicher Eliten. Die Geschichte der Astrologie-Kritik ist daher weniger eine Geschichte des Irrtums als eine Geschichte von Machtkämpfen um Deutungshoheit.

1. Die griechisch-römische Ambivalenz: Erste Kontrollversuche

Philosophische Vorbehalte als Elitendiskurs

Bereits in der Antike gab es astrologiekritische Stimmen, doch diese waren selten grundsätzlich. Cicero kritisierte in „De divinatione“ astrologische Vorhersagen – allerdings aus philosophisch-skeptischen Gründen und als Angehöriger der stoischen Akademie, die um intellektuelle Vorherrschaft rang. Bemerkenswert: Cicero lehnte keineswegs alle Mantik ab, sondern nur jene Formen, die nicht der römischen Staatstradition entsprachen. Die Kritik war also selektiv und eindeutig machtpolitisch motiviert.

Römische Astrologenverbote: Politische Kontrolle

Weitaus aufschlussreicher sind die wiederholten Astrologenverbote im Römischen Reich (z.B. 33 v. Chr., 16 n. Chr., unter Tiberius, Vitellius, Vespasian). Diese Verbote richteten sich nie gegen Astrologie als solche – die Kaiser beschäftigten selbst Hofastrologen. Verboten wurde vielmehr die private Konsultation von Astrologen durch Bürger, insbesondere bezüglich des Kaisers oder politischer Ereignisse. Der Grund war offensichtlich: Astrologische Prognosen konnten politische Verschwörungen legitimieren oder das Ende einer Herrschaft vorhersagen. Hier zeigt sich das Muster, das die Geschichte durchzieht: Nicht die Methode wurde abgelehnt, sondern ihre unkontrollierte Verfügbarkeit.

2. Die christliche Wende: Theologische Monopolisierung der Zukunft

Die Kirchenväter: Augustinus und die Willensfreiheit

Mit dem Aufstieg des Christentums verschärfte sich die Ablehnung fundamental, allerdings aus spezifisch theologischen Machtinteressen. Augustinus von Hippo (354-430) formulierte in seinen „Confessiones“ und „De civitate Dei“ die wirkmächtigste Kritik: Astrologie verstoße gegen die göttliche Vorsehung und den freien Willen des Menschen.

Die Machtfrage dahinter: Wenn Sterne und Planeten das Schicksal bestimmen, welche Rolle spielt dann die Kirche als Vermittlerin des göttlichen Willens? Augustinus‘ Argumentation war weniger philosophisch als institutionell: Die Kirche beanspruchte das Monopol auf Zukunftsdeutung – durch Propheten, Heilige und kirchliche Sakramente. Astrologen wurden zu Konkurrenten um die Kontrolle über Lebensorientierung und Sinndeutung.

Die Verleumdung: Augustinus unterstellte Astrologen Kontakt mit Dämonen. Dieser Vorwurf – sachlich absurd, da Astrologen mit mathematischen Berechnungen arbeiteten – erwies sich als wirksame Diffamierungsstrategie. Aus wissenschaftlich arbeitenden Gelehrten wurden „Handlanger des Teufels“. Diese Dämonisierung hatte nichts mit der tatsächlichen Praxis zu tun, sondern war rhetorisches Machtinstrument.

Konzilsbeschlüsse: Institutionelle Verfestigung

Das Konzil von Toledo (400) und spätere kirchliche Synoden verboten astrologische Praktiken. Bezeichnend ist, dass diese Verbote parallel zur Etablierung der Kirche als Staatsreligion erfolgten. Je mehr die Kirche weltliche Macht erlangte, desto schärfer verfolgte sie konkurrierende Deutungssysteme. Die Begründung war stets theologisch, die Motivation machtpolitisch: Wer die Zukunft deuten kann, hat Einfluss auf Gegenwart.

3. Mittelalter: Verbote bei gleichzeitiger Nutzung

Das Paradox der kirchlichen Praxis

Das Mittelalter zeigt die Heuchelei der Ablehnung besonders deutlich. Offiziell war Astrologie verboten und „Teufelswerk“. Gleichzeitig praktizierten Päpste, Bischöfe und Klöster Astrologie – sei es für die Bestimmung günstiger Zeitpunkte (Elektionen), medizinische Diagnosen oder politische Entscheidungen. Päpste wie Sixtus IV., Julius II. und Leo X. beschäftigten Hofastrologen.

Die Doppelmoral offenbart das Motiv: Es ging nie um die Frage, ob Astrologie funktioniert, sondern wer sie nutzen darf. Die Elite behielt sich astrologisches Wissen vor, während es dem Volk als Ketzerei verboten wurde. Dies sicherte Wissensvorsprung und Kontrolle.

Universitäre Astrologie vs. Volksastrologie

An mittelalterlichen Universitäten (Paris, Bologna, Oxford) war Astrologie Teil des Quadriviums und wurde als mathematische Wissenschaft gelehrt. Gleichzeitig verfolgte die Inquisition „niedere“ Astrologen und Wahrsager. Diese Trennung war keine inhaltliche, sondern eine soziale: Bildungseliten durften Astrologie betreiben, das gemeine Volk nicht. Ablehnung als Klassenprivileg.

4. Renaissance und Reformation: Neue Fronten

Die Bulle „Coeli et terrae“ (1586): Politische Ängste

Papst Sixtus V. erließ 1586 eine Bulle gegen „abergläubische“ Astrologie – nachdem astrologische Prognosen politische Unruhen geschürt hatten. Wieder zeigt sich: Die Kritik erfolgte aus Angst vor politischer Destabilisierung, nicht aus erkenntnistheoretischen Gründen. Erlaubt blieb interessanterweise „natürliche“ Astrologie (Wetter, Landwirtschaft, Medizin) – also jene Bereiche, die politisch ungefährlich waren.

Luther und Calvin: Prädestination vs. Sterne

Die Reformatoren verschärften die Ablehnung aus eigener theologischer Machtlogik. Wenn Gott allein das Schicksal vorherbestimmt (Prädestination), können Sterne keine Rolle spielen – das würde Gottes Allmacht schmälern. Luther nannte Astrologie „Teufelswerk“, Calvin „gotteslästerlich“.

Doch auch hier die Inkonsequenz: Melanchthon, Luthers engster Mitarbeiter, praktizierte Astrologie zeitlebens und lehrte sie an der Universität Wittenberg. Luther duldete dies stillschweigend. Die Ablehnung war also rhetorisch-strategisch, nicht prinzipiell.

5. Die Aufklärung: Triumph der mechanistischen Weltordnung

Das neue Machtinstrument: „Wissenschaftlichkeit“

Mit der Aufklärung verlagerte sich die Ablehnung von der Theologie zur entstehenden Naturwissenschaft – und damit zu neuen Eliten mit neuem Deutungsmonopol. Die Argumente änderten sich, die Machtfrage blieb: Wer darf legitimes Wissen über die Welt produzieren?

Newtons Mechanik und die „Entzauberung“

Isaac Newton (1643-1727) selbst praktizierte zeitlebens Alchemie und beschäftigte sich intensiv mit hermetischen Schriften – Fakten, die bis ins 20. Jahrhundert verschwiegen wurden. Seine mechanistische Physik wurde jedoch von Nachfolgern als Argument gegen Astrologie instrumentalisiert: In einem Uhrwerk-Universum sei kein Platz für astrologische Einflüsse.

Die Verleumdung: Aufklärer wie Voltaire verspotteten Astrologie als „Aberglauben des Pöbels“. Diese Polemik ignorierte bewusst die mathematische Komplexität astrologischer Berechnungen und die Tatsache, dass führende Astronomen wie Kepler selbstverständlich Astrologie praktizierten. Die Karikatur des dummen, betrügerischen Astrologen ersetzte die differenzierte Auseinandersetzung.

Die Trennung von Astronomie und Astrologie

Bis ins 17. Jahrhundert waren Astronomie und Astrologie untrennbar – dieselben Personen praktizierten beides (Tycho Brahe, Kepler, Galilei). Die künstliche Trennung erfolgte aus professionspolitischen Gründen: Astronomen wollten sich als „echte“ Wissenschaftler von „Scharlatanen“ abgrenzen, um staatliche Förderung und akademische Anerkennung zu erhalten.

Johannes Kepler: Der große Astronom, der die Planetengesetze formulierte, verdiente seinen Lebensunterhalt als Hofastrologe und verteidigte Astrologie als „törichtes Töchterlein der Astronomie, ohne die die weise Mutter hungern müsste“. Seine differenzierte Position wurde von späteren Wissenschaftshistorikern verschwiegen oder als „Zugeständnis an die Zeit“ abgetan – eine bequeme Geschichtsfälschung.

Die französische Revolution: Aberglauben als Herrschaftsinstrument

Die Aufklärer attackierten Astrologie auch als Teil des „Aberglaubens“, mit dem Kirche und Adel das Volk dumm hielten. Paradoxerweise übernahmen sie damit die gleiche Kontrollfunktion: Nur „wissenschaftlich“ legitimiertes Wissen sollte gelten – definiert von der neuen Elite der Akademiker. Der Machtwechsel, nicht die Herrschaft selbst, war das Ziel.

6. Das 19. Jahrhundert: Materialismus und Positivismus

Auguste Comte und der szientistische Absolutheitsanspruch

Der Positivismus des 19. Jahrhunderts radikalisierte die Ablehnung. Auguste Comte erklärte nur noch empirisch Messbares für wahr. Astrologie fiel durchs Raster – nicht weil sie widerlegt worden wäre, sondern weil sie nicht ins neue Paradigma passte.

Die Machtfrage: Die entstehenden Naturwissenschaften kämpften um gesellschaftliche Anerkennung und Ressourcen. Abgrenzung von „Pseudowissenschaften“ wurde zum Werkzeug akademischer Identitätsbildung. Wissenschaft definierte sich zunehmend nicht durch Methoden, sondern durch Abgrenzung: Was wir nicht tun, ist unwissenschaftlich.

Der sozialdarwinistische Ton

Astrologiegläubige wurden als „primitiv“ und „entwicklungsrückständig“ diffamiert – ein Vokabular, das den Kolonialismus und Sozialdarwinismus der Epoche spiegelt. Diese Rhetorik hatte nichts mit fundierter, rationaler Kritik zu tun, sondern mit Herabsetzung zur Machtsicherung.

7. Das 20. Jahrhundert: Systematische Diffamierung

Theodor W. Adorno: Kulturindustrie und Massenverblödung

Adornos Aufsatz „Aberglaube aus zweiter Hand“ (1957) ist die wirkmächtigste intellektuelle Attacke des 20. Jahrhunderts. Astrologie wird als Instrument kapitalistischer Kulturindustrie denunziert, das die Massen entmündigt.

Die methodische Schwäche: Adorno analysierte keine seriöse Astrologie, sondern ausschließlich die Los Angeles Times-Kolumne einer kommerziellen „Astrologin“. Seine Generalisierung dieser Trivialastrologie auf das gesamte Feld war wissenschaftlich unseriös – vergleichbar damit, Philosophie anhand von Glückskeks-Sprüchen zu beurteilen. Doch die intellektuelle Autorität Adornos machte diese Polemik zum Standardargument linker Akademiker.

Die Verleumdung: Astrologen werden als bewusste Betrüger oder selbst Verblendete dargestellt, ihre Klienten als unmündige Opfer. Diese Herablassung offenbart elitären Dünkel: Das gebildete „Wir“ durchschaut, was die dumme Masse glaubt.

Karl Popper: Falsifikationskriterium als Ausschlussmechanismus

Poppers Abgrenzungskriterium zwischen Wissenschaft und Pseudowissenschaft (Falsifizierbarkeit) wurde zum Hauptargument gegen Astrologie. Doch dieses Kriterium ist selbst philosophisch umstritten und wird inkonsistent angewendet: Viele akzeptierte wissenschaftliche Theorien (z.B. Stringtheorie, Multiversen-Hypothesen) erfüllen es ebenfalls nicht.
Das heißt: Es gibt keine Kontrollgruppe.

Die Funktion: Poppers Kriterium diente weniger der Erkenntnistheorie als der Grenzziehung wissenschaftlicher Gemeinschaften. Astrologie sollte aus dem Diskurs ausgeschlossen werden – nicht durch Widerlegung, sondern durch Definitionsmacht.

Paul Feyerabend: Die Entlarvung des Dogmatismus

Der Wissenschaftstheoretiker Paul Feyerabend kritisierte in „Erkenntnis für freie Menschen“ (1978) genau diese Mechanismen: Die Ablehnung der Astrologie erfolge nicht aufgrund überlegener Argumente, sondern durch institutionelle Macht. Feyerabend zeigte, dass viele vermeintlich „wissenschaftliche“ Widerlegungen der Astrologie methodisch fehlerhaft waren und ideologischen Vorannahmen folgten.

Die Reaktion: Feyerabend wurde von der scientific community heftig angegriffen – was seine These bestätigte. Die Verteidigung wissenschaftlicher Grenzen funktioniert oft aggressiver als die Wissenschaft selbst.

Die Nazi-Instrumentalisierung: Ein doppeltes Trauma

Die Nationalsozialisten nutzten Astrologie zunächst für Propagandazwecke (z.B. Nostradamus-Prophezeiungen), verboten sie später (1941) als „jüdisch-freimaurerische Geheimlehre“. Diese widersprüchliche Haltung zeigt erneut: Ablehnung folgt politischer Opportunität.

Die Langzeitfolge: Nach 1945 galt Beschäftigung mit Astrologie in Deutschland als politisch verdächtig. Kritiker konnten Astrologen pauschal mit Irrationalismus und totalitärer Gesinnung assoziieren – eine bis heute wirksame Verleumdung, die historisch falsch ist (die Mehrzahl der Astrologen wurde von den Nazis verfolgt).

Die „Skeptiker“-Bewegung: Organisierte Ablehnung

Ab den 1970ern entstanden „Skeptiker“-Organisationen (CSICOP/CSI in den USA, GWUP in Deutschland), die sich der Bekämpfung von „Pseudowissenschaften“ verschrieben. Astrologie wurde Hauptziel.

Die Problematik: Diese Gruppen agierten weniger wissenschaftlich als ideologisch. Studien, die astrologische Effekte nahelegten (z.B. Michel Gauquelins „Mars-Effekt“), wurden mit unfairen Methoden attackiert, unabhängige Repliken verhindert oder ignoriert. Die „Skeptiker“ verhielten sich oft unwissenschaftlicher als jene, die sie kritisierten – diktiert von der Mission, Astrologie um jeden Preis zu diskreditieren.

Die Rhetorik: Begriffe wie „Scharlatanerie“, „Betrug“, „Volksverdummung“ ersetzten sachliche Auseinandersetzung. Astrologen wurden nicht als Diskussionspartner behandelt, sondern als zu bekämpfende Gegner.

8. Moderne wissenschaftliche Kritik: Berechtigt oder dogmatisch?

Das Argument der fehlenden Wirkungsmechanismen

Der häufigste Einwand: Es gebe keinen physikalischen Mechanismus, durch den Planeten menschliches Verhalten beeinflussen könnten.

Die Problematik: Dies ist ein Zirkelschluss. Auch Gravitation, Elektromagnetismus und Quantenverschränkung waren zunächst ohne Mechanismus bekannt – Phänomene wurden beobachtet, bevor sie erklärt werden konnten. Das Fehlen einer Theorie widerlegt keine Beobachtung. Zudem: Die Forderung nach physikalischen Mechanismen setzt voraus, dass nur Physik legitime Erklärungen liefern kann – ein reduktionistisches Weltbild, keine neutrale Wissenschaft.
Die Transformatorische Astrologie „benötigt“ nicht Gravitation, Elektromagnetismus und Quantenverschränkung.
Und die Astrologie funktioniert doch!

Das Zwillingsproblem

Kritiker argumentieren: Zwillinge hätten gleiche Horoskope, aber unterschiedliche Schicksale.

Die Unredlichkeit: Kein seriöser Astrologe behauptet, Horoskope determinieren das Leben vollständig. Die Kritik attackiert einen Strohmann – eine simplifizierte Zerrversion der Astrologie, die so nicht praktiziert wird. Hinweis: In der Astrologie geht es um die Metaebene /Prinzipien und wie man sie lebt.
Dies entspricht dem Muster: Man widerlegt nicht Astrologie, sondern eine Karikatur davon.

Statistik-Studien: Methodische Probleme

Große Statistikstudien fanden keine Korrelation zwischen Sternzeichen und Persönlichkeit.

Die Differenzierung: Diese Studien testen ausschließlich Sonnenzeichen-Astrologie (populäre Zeitungshoroskope), nicht die komplexe Geburtshoroskopie mit Aszendent, Häusern, Aspekten. Es ist, als würde man Psychologie testen, indem man fragt: „Bestimmt der erste Buchstabe Ihres Namens Ihre Persönlichkeit?“ Das Ergebnis ist erwartbar – und irrelevant für die tatsächliche Praxis.

Selektive Wahrnehmung und Bestätigungsfehler

Psychologen erklären Astrologieglaube durch kognitive Verzerrungen: Menschen erinnern Treffer, vergessen Fehltreffer.

Die Grenzen: Diese Erklärung ist nicht falsch, aber unvollständig. Sie setzt voraus, dass es keine echten Korrelationen gibt – genau das, was bewiesen werden soll. Zudem: Derselbe Mechanismus erklärt auch, warum Kritiker keine Evidenz sehen, die ihrer Überzeugung widerspricht. Kognitive Verzerrungen wirken in beide Richtungen.

Das Legitime an der Kritik

Berechtigt ist: Astrologie hat kein konsistentes theoretisches Fundament, Vorhersagen sind oft vage, Rückschaufehler häufig. Die Kommerzialisierung (Horoskop-Apps, Zeitungshoroskope) trivialisiert das Feld. Qualitätsstandards fehlen, Scharlatanerie und Küchenastrologie ist verbreitet.

Das Problem der Kritik: Diese berechtigten Einwände werden genutzt, um jegliche Beschäftigung mit Astrologie als unwissenschaftlich und dumm zu brandmarken – ohne Differenzierung zwischen seriöser und trivialer Praxis. Das ist methodisch unsauber und ideologisch motiviert.

9. Die psychologische Funktion der Ablehnung

Identitätsbildung durch Abgrenzung

Moderne Wissenschaftler, Rationalisten und Akademiker definieren ihre Identität oft durch Opposition: „Wir sind jene, die nicht an Astrologie glauben.“ Diese Negatividentität erklärt die Vehemenz der Ablehnung besser als sachliche Argumente.

10. Die Kontinuität der Machtfrage

Deutungshoheit als Herrschaftsinstrument

Von den römischen Kaisern über die Kirchenväter und Aufklärer bis zu modernen Wissenschaftsorganisationen zieht sich ein roter Faden: Wer die Zukunft deuten, Sinn stiften und Orientierung geben kann, hat Macht über Menschen. Astrologie wurde bekämpft, weil sie diese Macht dezentralisiert – jeder kann mit Grundkenntnissen ein Horoskop erstellen, ohne Priester, Wissenschaftler oder Therapeuten.

Die Verleumdungen im Muster

Über Jahrhunderte wiederholen sich die Diffamierungsstrategien:

  • Dämonisierung (Kirchenväter: „Teufelswerk“)
  • Pathologisierung (19./20. Jh.: „Aberglauben“, „primitive Geisteshaltung“)
  • Kriminalisierung (Moderne: „Betrug“, „Scharlatanerie“)
  • Soziale Herabsetzung (Adorno: „Massenverblödung“; Skeptiker: „für Dumme“)

Diese rhetorischen Muster dienen nicht der Wahrheitsfindung, sondern der sozialen Ausgrenzung.

11. Fazit: Geschichte als Warnung

Die wiederkehrenden Muster:

  1. Ablehnung erfolgt selten aus inhaltlicher Auseinandersetzung, sondern aus Konkurrenz um Einfluss
  2. Kritiker nutzen Astrologie oft selbst oder dulden sie bei Eliten, während sie sie dem Volk verbieten
  3. Verleumdungen (Dämon, Betrug, Dummheit) ersetzen sachliche Argumente
  4. Wissenschaftliche Kritik ist oft methodisch unsauber und ideologisch vorgeprägt
  5. Die Vehemenz der Ablehnung korreliert mit der Bedrohung etablierter Machtstrukturen

Für astrologisch Interessierte bedeutet dies:

  • Skepsis gegenüber pauschalen Verurteilungen ist berechtigt – die Geschichte zeigt, dass diese meist politisch motiviert waren
  • Gleichzeitig: Die berechtigten Kritikpunkte (fehlende Theorie, Qualitätsmängel, Kommerzialisierung) ernst nehmen
  • Differenzierung einfordern: zwischen seriöser und trivialer Astrologie, zwischen Methodik und Missbrauch
  • Sich bewusst sein, dass die Beschäftigung mit Astrologie immer auch eine Positionierung gegen herrschende Deutungsmonopole bedeutet

Dieser Text ist (s.u.) als PDF frei verfügbar. Ich habe ihn mit Unterstützung von Claude AI erstellt.